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Neckarsteinach - eine unattraktive Stadt?

So die Aussage einer Kollegin im Neckarsteinacher Stadtparlament. Deshalb würde kaum jemand nach Neckarsteinach ziehen wollen. Und deshalb sei es auch nicht notwendig, in Neckarsteinach Bauflächen für neuen Wohnraum zu schaffen. Selbstverständlich wurde diese Sicht der Dinge von der Mehrheit der anwesenden Mitglieder mit Unverständnis und Befremden entgegnet ...

Doch selbst wenn es Anzeichen dafür gäbe, warum tut man nichts dagegen? Wo sind die Konzepte und Lösungsansätze, die unsere Stadt zu einem Anziehungspunkt in der Region machen? Oder ist es die rein ökologische Betrachtung, die unseren Ort als unattraktive Stadt sieht?  Ich finde, man muss diesen Aussagen allein schon deshalb entgegentreten, da es meines Erachtens in erster Linie darum geh,t mit Provokation Aufmerksamkeit zu erreichen und das, was in den letzten beiden Jahrzehnten mit breiter Zustimmung in der Bevölkerung geschaffen wurde, in Misskredit zu bringen. Die sogenannten Fakten sind anders und deshalb ist es mir wichtig diese in aller Kürze zu benennen.

1. Unsere Rolle in der Metropolregion

Neckarsteinach gehört zur Metropolregion Rhein Neckar und ist sehr stark von der wirtschaftlichen Entwicklung in der Region abhängig.  Dabei wird die Funktion der Stadt im Regionalplan als sogenanntes Unterzentrum beurteilt, das sich zwischen den beiden Mittelzentren Eberbach und Neckargemünd befindet. Neckarsteinach wird innerhalb der Metropolregion als eine Schlaf- und Wohnstadt gesehen, deren Bürgerinnen und Bürger zu einem großen Anteil in der Metropolregion arbeiten. Was bewegt diese Menschen ihren Wohnsitz nach Neckarsteinach zu verlagern? Es ist zum einen die einzigartige Landschaft im Neckartal mit den Burgen, die natürlich bei den Betroffenen eine gewisse Vorliebe für dieses Umfeld voraussetzt. Zum anderen ist es der Anschluss an die S-Bahn der Metropolregion, die einen schnellen und unkomplizierten Weg in die Zentren Heidelberg und Mannheim ermöglicht und neben der Arbeit die Teilnahme am gesamten kulturellen Leben der region möglich macht.

2. Entwicklung der Einwohnerzahlen   
Der demografische Wandel in unserer Gesellschaft ist im Gange. Jedoch ist die Bevölkerungsentwicklung nicht mehr allein von der Geburten- und Sterberate abhängig.  Auch die Offenheit unserer Gesellschaft gegenüber Zuwanderung und Integration wird darüber entscheiden, ob Arbeitsplätze in Deutschland gehalten werden können oder dorthin abwandern, wo die „Fachkräfte“ wohnen. Für Neckarsteinach wurde im Jahr 2010 ein Rückgang der Bevölkerung um 15% bis 2020 prognostiziert. Verbunden wurde dies mit der Aussage, es würde pro Jahr in Neckarsteinach nur ein neuer Bauplatz benötigt. Und dieser kann durch die Bebauung im Innenbereich zu gedeckt werden. Mittlerweile sind wir 8 Jahre weiter und die Bevölkerungsentwicklung hat diese Annahme nicht bestätigt. Im Gegenteil:  Zum 31.12.2017 hat Neckarsteinach   3.913 Einwohner gegenüber 3.826 Einwohner zum 31.12.2007.  Die Entwicklung hoher Mieten und Grundstückspreise in den Ballungszentren sorgt auch in der Metropolregion dafür das Wohnraum in den äußeren Bereichen dem sogenannten „Speckgürtel“ gebraucht wird. Dies führte letztendlich dazu, dass zwei Investoren an die Stadt Neckarsteinach herangetreten sind und sich aufgrund ihrer eigenen Marktbeobachtung für Wohnungsbau in Neckarsteinach interessieren.

 

3. Ziele für eine zukunftsgerichtete Stadtentwicklung

Für die in der Stadt verantwortlichen Entscheidungsträger stellen sich für die Zukunft unserer Stadt folgende Fragen:

a. Wollen wir uns diesen Interessenten verweigern und durch eingeschränktes Wachstum gegenüber unseren Nachbarn in Neckargemünd eine nachteilige Entwicklung unserer Stadt in Kauf nehmen. Das Ergebnis wären steigende Mieten und steigende Grundstückspreise wegen fehlendem bzw. nicht ausreichendem Angebot.

b. Wollen wir akzeptieren, dass die Kosten der städtischen Infrastruktur (Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Friedhof, städtische Verwaltung und vieles mehr) auf immer weniger Bürger verteilt würden und dies für den einzelnen steigende Kosten und Steuern bedeuten würde.

Als SPD – Fraktion haben wir unser Ziel einer zukunftsgerichteten Stadtentwicklung in unserem Wahlprogramm 2016 ausführlich benannt. Beide Fragen beantworten wir daher mit einem klaren „NEIN“. 

Aktuelle Entscheidungen im Parlament

Unser Konzept für eine zukunftsgerichtete Entwicklung von Neckarsteinach hin zur familienfreundlichen Stadt, für Jung und Alt, wird in den nunmehr für das 2.Halbjahr anstehenden Entscheidungen der Neckarsteinacher Stadtverordnetenversammlung deutlich:

  1. Schaffung neuen Wohnraums für junge Familien in Neckarsteinach durch Bebauung des Geländes im Schönauer Tal 
  2. Schaffung weiterer Kinderbetreuungsplätze durch Einrichtung eines Waldkindergartens
  3. Zustimmung zum Bauvorhaben „Altengerechtes Wohnen“ in der Schillerstraße und
  4. Zustimmung zur Errichtung eines Alten- und Pflegeheims in der Friedrich-Ebert-Straße
  5. Überarbeitung des Planungskonzeptes zum Baugebiet „Galgenhohl“
         im Hinblick auf eine veränderte Sachlage zu Angebot und Nachfrage in Neckarsteinach
  6. Beteiligung der Stadt am Neubau einer Mehrzweckhalle durch den Kreis Bergstraße
        als Ersatz für die Vierburgenhalle

Die Lebensqualität in einer Stadt ist von vielen höchst unterschiedlichen Faktoren abhängig. Das mag manchmal nur ein netter Nachbar sein. Oder aber auch das Umfeld in städtebaulicher, landschaftlicher oder auch sozialer Hinsicht. Und deshalb nützt es nichts sich über unattraktive Dinge zu beklagen, sondern es ist die Aufgabe der politisch Verantwortlichen die Dinge aufzuzeigen, die es zu verbessern gilt und dafür die Lösungswege zu beschreiben. Als SPD Fraktion unterstützen wir die aktuellen Entscheidungen zur Schaffung neuen Wohnraums in Neckarsteinach, die Schaffung von Kinderbetreuungsplätzen und den Neubau einer Mehrzweckhalle als Alternative zur reinen Schulturnhalle.  Kritik und Ablehnung allein ist nicht die Strategie unseres Handelns. (kern)